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“Kann
i mal de Scher?” Oder auch gerne noch etwas höflicher: “Kann ich
bitte mal die Butter?” So oder so ähnlich bekomme ich Satzfragmente sehr
häufig in der Therapie oder auch im Alltag zu hören. Satzfragment? Genau! Denn
zu einem vollständigen Satz fehlt es hier an den passenden Verben. Das Verb,
auch Zeitwort oder Tätigkeitswort, macht unsere Sprache erst lebendig.

Hier ein kleines Beispiel – ein Elfchen:

kalt

er knirscht

Kinder freuen sich

er verschönert den Winter

Schnee

Kinder mit
Spracherwerbsstörungen oder Spracherwerbsverzögerungen sprechen häufig nur in
Satzfragmenten. Ähnlich wie Sprechanfänger im Alter von 12 bis 24 Monaten.

  • „Auto da.
  • „Wo Papa?“
  • „Ball
    haben.“

Einen
Grossteil des Wortschatzes besteht aus Nomen. Eben die Dinge, denen man als
erstes einen Namen gibt. Mein Ziel ist es also, sowohl in der logopädischen
Therapie als auch im Alltag, den Gebrauch der Verben zu entwickeln, zu
unterstützen und zu vermehren.

 

Doch wie gelingt das in der logopädischen
Therapie?

Bei
Kindergartenkindern:

  • durch das
    versprachlichen von Handlungen z.B. in einem kleinen Parcours (ich laufe, ich
    gehe, ich springe, ich klettere ich balanciere) oder in der Küche (ich rühre,
    knete, walle, forme, bestreiche, backe, verziere, esse, schmecke, rieche
    den Teig)

Bei
Schulkindern:

  • in
    Rollenspielen (ich meckere wie …, ich grunze wie …, ich blöke wie …, ich
    belle wie …, usw.)
  • mittels
    Arbeit auf schriftsprachlicher Ebene (Elfchen, mündliche oder schriftliche
    Rätsel/Beschreibungen: Es kann Holz schneiden. Es ist ein Werkzeug.)
  • mittels
    Wimmelbildern (Was kauft die Frau mit dem blauen Mantel? Was macht das Mädchen
    mit der Weihnachtsmann-Mütze?)

Und wie gelingt mir das im Alltag?

Ich
versuche so häufig wie möglich meine eigene Sprache zu reflektieren und gerade
im Gespräch mit Kindern ein gutes sprachliches Vorbild/Modell zu sein. “Ja,
natürlich kannst du die Schere bekommen.”
Gerne gebe ich dir die
Butter.“ 

Zum
Abschluss auch eine kleines Wimmelbild-Rätsel für euch. Wie könnte
dieser Satz weitergehen?

„Wie viele Autos …”

image

aus „Winter-Wimmelbuch“ von Rotraut Susanne Berner © Gerstenberg Verlag, Hildesheim

Links:

Infos zum Verb

Infos zum Elfchen

Anja Mlynek


Source: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband