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Nicht wenige meiner Stimmpatienten haben immer wieder das Gefühl, einen Fremdkörper im Hals zu haben. Das so genannte Globusgefühl kann verschiedene Ursachen haben. Eine davon ist der Reflux (Rückfluss von Magensäure), auch als Saures Aufstossen bekannt. Die hochkommende Magensäure reizt den Kehlkopf. Als Schutzmechanismus überspannt sich die Kehlkopfmuskulatur  und das fühlt sich dann eben an, als hätte man den berühmten Frosch im Hals.

Die Phoniaterin Dr. med. Salome Zwicky hat Ende Januar eine interdisziplinäre Fachrunde zum Thema „Stimme und Reflux“ angeboten. In ihrem Singstimmzentrum in Schlieren hat sie gemeinsam mit dem Internisten Dr. med. Hannes Brugger geschildert, wie die Reflux-Diagnose gestellt wird und welche Therapiemöglichkeiten es gibt. Hier das Wichtigste in Kürze:

Reflux-Symptome
Der Hals-/Rachenbereich ist empfindlich und kann sich brennend anfühlen. Es kann ein Druckgefühl in der Brust hinzukommen. Betroffene räuspern sich häufig. Sie haben Husten, vor allem nachts, wenn im Liegen die Säure hochkommt. Manche schildern Schluckbeschwerden, z.B. bei der Einnahme von Tabletten. Zudem kann Reflux zu Heiserkeit führen. Nach einem Infekt erholt sich die Stimme oft lange nicht.

Behandlung mit Medikamenten
Protonenpumpenhemmer (PPI) sind Medikamente, die vom Arzt bei Refluxverdacht versuchsweise verschrieben werden können. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie die Säure im Magen gar nicht erst entstehen lassen. Allerdings zeigt das Medikament bei etwa 30% der Reflux-Patienten keine Wirkung. Im Idealfall bessern sich die Beschwerden nach 2-3 Wochen. Die Medikamente können dann niedriger dosiert oder sogar abgesetzt werden. Wenn keine Besserung eintritt, empfiehlt sich eine Spiegelung von Magen und Speiseröhre.  
Es gibt auch die Möglichkeit einer chirurgischen Behandlung: Dabei wird ein Teil des Magens um die Speiseröhre gewickelt und angenäht. Der Übergang vom Magen zur Speiseröhre wird so kleiner gemacht.

Gut zu wissen
Es gibt diverse Medikamente, die refluxfördernd oder säurestimulierend wirken. Bei Reflux spielt zudem meist ein undichter Magenverschluss eine entscheidende Rolle:  Bei der so genannten Hiatushernie verlagern sich Magenanteile in die Brusthöhle. Normalerweise liegt der Mageneingang unterhalb des Zwerchfells. Das Zwerchfell hilft dann beim Verschliessen und schützt vor Rückfluss.
Solange es zu keinen Entzündungen in der Speiseröhre kommt, ist eine Refluxerkrankung gutartig. Sichtbare Veränderungen können zu Komplikationen bzw. einem schweren Verlauf führen (Vernarbungen, Blutungen, ein Barrett-Ösophagus, Adenokarzinom).

Anpassungen des Lebensstils
Es gibt einige Massnahmen, Refluxbeschwerden durch eine Änderung des Lebensstils zu reduzieren. Auf Genussmittel, die säurestimulierend wirken, sollte vor allem abends verzichtet werden. Dazu gehören Alkohol (v.a. hochprozentiger), Nikotin, Kaffee (v.a. Espresso) und Röststoffe (Gebratenes, z.B. Grillfleisch). Wer unter Reflux leidet, profitiert von einem frühzeitigen und leichten Abendessen. Da Übergewicht Druck aufbaut und den Magen hochschiebt, kann auch eine Gewichtsreduktion helfen. Bei Refluxbeschwerden ist es hilfreich, das Bett auf der Kopfseite um etwa 10-12cm zu erhöhen.

Priscilla Schranz


Source: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband