Hallo, wer liest das?
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Mit Händen und Füssen
20. Juli 2016
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[R] ist nicht gleich [r]

Alle, die sich gerade denken: „Oh ja, so ein bisschen Italienisch lernen vor dem Urlaub, kann ja nicht schaden.“ Euch muss ich enttäuschen. Denn Italienisch ist gar nix für Anfänger und schon gar nicht für ‚Sprechanfänger‘. Um gutes, verständliches Italienisch sprechen zu können, benötigt man das sogenannte Zungen-[r]. Dabei wird der Laut /r/ mit der Zungenspitze gerollt. Auch im Deutschschweizer-Sprachraum wird meist dieses Zungenspitzen-[r] gebraucht. Nicht wie in weiten Teilen Deutschlands, wo das einfacher zu bildende Zäpfchen- oder Rachen-[R] gebraucht wird, welches durch Reibung im hinteren Rachenraum erzeugt wird.

Sowohl in der logopädischen Therapie als auch im privaten Umfeld begegnen mir immer wieder Menschen, die dieses Zungenspitzen-[r] nicht können. In der Logopädie erhalten Kinder eine Beratung oder eine Therapie, wenn sie den /r/ durch den /l/ ersetzen, den /r/ noch nicht bilden können und/oder den Unterschied der beiden Laute nicht kennen.

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Heisst es Rose – Lose, Reiter – Leiter, Ritter – Liter?

Um die korrekte Lautbildung zu lernen, erhalten die Kinder Tipps, wie sie den Luftstrom lenken müssen, wie die Zunge liegt, wie das korrekte Geräusch erzeugt wird, welches für den Laut /r/ steht. In der Therapie wird meist das Rachen-[R] angebahnt, da es über die Vorstellung eines knurrenden Hundes und durch die Ableitung vom Gurgeln meist einfacher und schneller gelingt.

Und jetzt?  Den  Italienisch-Kurs wieder streichen?  Nein…Denn auch das Zungenspitzen-[r] kann man erlernen.

Übung 1 – Zungenbeweglichkeit erhöhen
Stell dich hin!
Lass deinen Kopf nach vorne auf deine Brust fallen!
Deine Zunge sollte nun locker in deinem Mundraum hängen und leicht diese Ausspracheübung durchführen können: „lalalalalalalalalalalalalalalalalalalalalalalala“

Übung 2 – Anbahnung
Stell dich hin!
Lass deinen Kopf nach vorne auf deine Brust fallen!
Deine Zunge sollte nun locker in deinem Mundraum hängen und leicht diese Ausspracheübung durchführen können: „tdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtdtd“

Übung 3 – Erwerb des Zungenspitzen-[r]
Stell dich hin!
Lass deinen Kopf nach vorne auf deine Brust fallen!
Deine Zunge sollte nun locker in deinem Mundraum hängen und leicht diese Übung immer schneller durchführen können: „tdddtdddtddddtdddtdddtdddtdddtddd“ (am besten man denkt hier noch an die Musik in einer Zirkusvorstellung  und die Zunge beginnt wie von selbst zu rollen).
Folgende Übungswörter könnten helfen: Traum (T-daum), Brot (B-dot), privat (p-divat)

Ach ja und natürlich das Wichtigste: üben, üben, üben!!!
Es kann funktionieren, ich habe den Beweis bei mir daheim. Eine Garantie kann ich trotzdem nicht geben.

Anja Mlynek


Source: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband