Dings
13. August 2018
25 Stunden
23. September 2018
Alle zeigen

Just_breathe_Bild_Blog_PSch.jpg

Luft holen kann ganz schön anstrengend sein. Vor allem dann, wenn das Einatmen mit dem Sprechen oder gar Singen koordiniert werden muss. Nicht selten lassen sich Chöre beobachten, die nach Luft schnappen oder Redner, welche so geräuschvoll einatmen, dass es durchs Mikrofon knistert.

Dabei ginge alles viel einfacher.

Das Zauberwort lautet reflektorische Atemergänzung. Diese ist auch unter dem Begriff Abspannen bekannt. SprecherInnen und SängerInnen können damit rasch, geräuschlos und unwillkürlich wieder zu Luft kommen. Bei diesem Einatemreflex zieht sich das Zwerchfell zusammen. So strömt automatisch Luft nach.
Der Ausdruck „reflektorisch“ verrät bereits, dass es sich dabei um einen natürlich angelegten Vorgang handelt. Eine oberflächliche Atmung oder eine zu geringe (allenfalls auch zu hohe) Körperspannung kann diesen allerdings unterdrücken.

Das Zwerchfell kontrahiert, gleichzeitig weitet sich die untere Bauchdecke. Viele Übungen basieren darauf, diese Bauchwölbung wahrzunehmen. Das kann aber kontraproduktiv sein: Übende fixieren sich manchmal zu sehr auf diese Bewegung. Sie versuchen dann, den Bauch beim Einatmen bewusst „rauszudrücken“ und beim Ausatmen einzuziehen. Oder sie sind komplett verwirrt und machen es gerade umgekehrt.

Der Streckreflex, wie er von Eve-Marie Haupt beschrieben wird, hat sich in meiner Arbeit mit Stimmpatienten als hilfreiche Übung bewährt. Gerade weil der Fokus nicht auf den Bauch gerichtet wird. Angeleitet wird der Streckreflex wie folgt:

  1. Setzen sie sich auf einen Stuhl und lehnen sie zurück.
  2. Geben Sie mit den Fersen einen leichten Druck auf den Boden (ist im hinteren Lendenbereich zu spüren und stimuliert die innere Wirbelstrecker-Muskulatur)
  3. Lassen Sie die Stimme dazu locker klingen auf „brrt“, „hm“, „Jaja“ oder pfeifen Sie mehrmals kurz.

Die „Reflektorische Atemergänzung“ stellt sich von selbst ein durch das rasche Lösen der Tonusspannung.

Hat man das Prinzip einmal entdeckt, versucht man, dieses auch beim Rufen, Singen und Zählen abzurufen. Nach und nach kann mit längeren Phrasen geübt werden.

Wer die reflektorische Atemergänzung nutzt, wird mit einer tragfähigeren Stimme belohnt. Und entdeckt: Du musst dir den Atem nicht holen, du bekommst ihn geschenkt!

Priscilla Schranz 

Quelle: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband http://www.logopaedie.ch/blog/