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Es gibt Tage, an denen wünscht man sich eine pfannenfertige Lösung her. Ein Kurzbericht über den Balanceakt zwischen Frustration und Hoffnung.

Es ging ihm schlecht, denn nebst der Schluckstörung lagen noch ganz andere Diagnosen vor. Die Dysphagie war eigentlich nur die Spitze des Eisberges. Und doch, manch einer findet das Vertraute in schwierigen Lebenssituationen im Essen, in einem warmen Tee oder dem gewohnten Kaffee. Was, wenn das plötzlich nicht mehr geht?

Vieles in seinem Alltag war seit der Erkrankung zur Herausforderung geworden. So nun auch das Schlucken von Nahrung und Flüssigkeiten. Am Tag X ging ich also mit einem pürierten Birchermüesli bei ihm auf der Station vorbei. Das Ziel für den Patienten vor Augen, begann ich mit den therapeutischen Schluckversuchen. Sehr zum Leidwesen des Patienten. Am Ende der Therapie stiess er Birchermüesli wie auch alle anderen Utensilien frustriert weg. Nichts ging runter, egal ob uneingedickt, eingedickt oder püriert. Ich konnte ihm seinen Ausbruch in diesem Moment nicht verübeln.

In den nächsten Tagen ging ich für weitere Schluckversuche vorbei. Und immer schwang eine leichte Frustration im Bauchgefühl mit. Dann, nach etlichen Versuchen und Anpassungen von Kost wie auch Hilfsmitteln, die frohe Nachricht: eingedicktes Wasser aus dem Spezialbecher war wieder möglich. «Eis nachem andere – aber s’isch Ziit worde», sagte der Patient. Ich sprach ihm gut zu und dachte innerlich: «Eis nachem andere – und Hoffnung auf mehr».

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Anika Helfer

 

Quelle: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband http://www.logopaedie.ch/blog/