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Foto: Stefan Moser

(14.05.2019) Ein Freitagmorgen in der katholischen Kirche des Inselspitals Bern. In der vordersten Reihe sitzt eine Frau gemütlich strickend auf der Kirchenbank. Bald darauf trifft die Chorleiterin und Sängerin Xenia Zampieri ein und stellt ein Piano auf. Nach und nach erscheinen weitere Teilnehmer. Manche von ihnen haben eine lange Anreise hinter sich.

Die drei Frauen und fünf Männer teilen nicht nur ihre Liebe zum Gesang, sondern auch eine medizinische Diagnose: Morbus Parkinson. „Chlage nützt nüt“ (Klagen hilft nicht), kommentiert eine Teilnehmerin trocken. Lieber singen sie gegen einen Teil der Symptome an, welche ihnen den Alltag erschweren.

Wer von Parkinson betroffen ist, hat – kurz und vereinfacht ausgedrückt – zunehmend Schwierigkeiten, seine Muskeln zu kontrollieren. Bei den meisten Betroffenen verändern sich dabei auch Atmung, Stimmklang und Artikulation. Sie sprechen dann leiser, monotoner, undeutlicher, langsamer oder überschiessend schnell und/oder klingen heiser.

Davon ist an diesem Morgen wenig zu merken. Xenia Zampieri führt den Parkinsonchor Bern durch ein Warm-Up von Körper und Stimme, wobei bald kräftige Töne erklingen.

Das Repertoire der Gruppe ist beachtlich: In den dicken Mappen und Ordnern finden sich Notenblätter in Mundart, Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch und Nonsense-Sprachen. Stilistisch ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Den Auftakt macht „Mackie Messer“. In den sieben Strophen wird die Dynamik passend zum Text mal laut und dramatisch, dann wieder leiser gestaltet. Das „R“ soll, wie im Original, übertrieben gerollt werden.

Bei „Country Roads“ kommt so etwas wie Lagerfeuer-Stimmung auf. Das amerikanische Englisch regt dazu an, die Artikulation vorzuverlagern. Bei „Sidi Abdel Assar“ muss schneller artikuliert werden. Trotzdem sollen die Artikulationsbewegungen gross bleiben. Die rhythmische Pianobegleitung der Chorleiterin bringt so einige Füsse ins Wippen.

„Dream A Little Dream“ und „Somewhere Over The Rainbow“. Der schöne Klang des Chors dringt in jeden Winkel der kleinen Kirche. Nur gelegentlich wird er vom Lärm eines Rettungshelikopters übertönt.  „For me – Formidable“ fordert die Gruppe mit der hohen Tonlage ganz schön heraus. Mit dem mehrstimmig gesungenen „I Want To Be In America“ erklingen dann auch bereits die letzten Akkorde.

Dass ich als Logopädin dieser Chorprobe beiwohnen durfte, weiss ich sehr zu schätzen. Berührt und inspiriert gehe ich nach Hause. Viele Inhalte der logopädischen Parkinson-Therapie werden hier lustvoll und spielerisch in der Gruppe angegangen. In der nächsten Stunde wird nebst  evidenzbasierten Methoden auch das eine oder andere Lied zum Einsatz kommen.

Der Parkinsonchor Bern freut sich übrigens sehr über Zuwachs – detaillierte Informationen.

Priscilla Schranz

Quelle: DLF Deutschschweizer Logopädinnen- und Logopädenverband http://www.logopaedie.ch/blog/